Warum die Zahl 153600 dafür sorgt, dass deine Pingbacks nicht ankommen

153600. Eine kleine fiese wenig bekannte Zahl, die mich einiges an Nerven gekostet hat, denn sie kann dafür sorgen, dass dein WordPress-Blog einen anderen Blog verlinkt, einen Pingback verschickt – und die Gegenseite trotzdem behauptet, dass der Link gar nicht existiert.
Bild KI generiert

Ein Link, der da war. Und irgendwie doch nicht.

Kennst du das? Du möchtest eigentlich nur eine Kleinigkeit erledigen. Etwas, das normalerweise ganz automatisch funktioniert. Und plötzlich sitzt du stundenlang vor einem Problem, das eigentlich gar keines sein dürfte.

So ging es mir heute mit growUrBlog.

Ich wollte sicherstellen, dass Pingbacks zuverlässig bei anderen Blogs ankommen. Gerade bei Blogparaden ist das schließlich eine praktische Sache: Jemand veranstaltet eine Blogparade, du schreibst einen Beitrag dazu, verlinkst den Aufruf und der Veranstalter bekommt automatisch eine Benachrichtigung. Und auch wenn ich eine Blogparade vorstelle, ist es ganz schick, wenn dort ein Pingback zu growUrBlog erscheint.

Zumindest ist das die Idee.

Nur wollte es bei mir einfach nicht funktionieren.

growUrBlog verschickte die Pingbacks ordnungsgemäß. Die Gegenseite empfing sie auch. Doch dann kam sinngemäß immer wieder dieselbe Antwort:

„Tut mir leid, aber auf deiner Seite finde ich keinen Link zu mir.“

Wie bitte? Oder wie man auf fränkisch sagt: Hä?

Der Link war doch da! Ich konnte ihn sehen, anklicken und überprüfen. Er führte genau dorthin, wo er hinführen sollte.

Warum also behauptete WordPress, ihn nicht finden zu können?

Die Antwort hatte sechs Stellen:

153600.

Was hat es mit dieser Zahl auf sich?

Um zu verstehen was diese Zahl damit zu tun hat, sehen wir uns kurz an, was bei einem Pingback eigentlich passiert.

Wenn du in deinem Blogartikel auf einen anderen WordPress-Blog verlinkst, kann dein Blog automatisch eine Benachrichtigung verschicken.

Der empfangende Blog glaubt dieser Benachrichtigung allerdings nicht einfach blind.

Stattdessen schaut er selbst nach: Er ruft deinen Artikel auf und überprüft, ob der behauptete Link tatsächlich vorhanden ist.

Das ist auch sinnvoll. Sonst könnte schließlich jeder irgendwelche Pingbacks verschicken, ohne die entsprechenden Seiten überhaupt zu verlinken.

Und jetzt kommt unsere diese vermale… äh schöne Zahl ins Spiel.

WordPress überprüft bei einem eingehenden Pingback nur die ersten 153600 Bytes der verlinkenden Seite.

Von dieser Einschränkung hatte ich in meinen rund 10 Jahren WordPress-Erfahrung noch nie etwas gehört! Aber diese 150-Kilobyte-Grenze ist seit langem im WordPress-Quellcode genauso festgelegt.

Alles, was dahintersteht, bekommt die Pingback-Prüfung gar nicht mehr zu sehen.

Und genau das war mein Problem.

Wenn 150 KiB HTML nicht einmal bis zum Artikel reichen

Vielleicht denkst du jetzt: 150 KiB? Das ist doch eine ganze Menge Text!

Stimmt. Würde eine Webseite nur aus ihrem eigentlichen Artikel bestehen, wären 150 KiB ziemlich großzügig bemessen.

Aber moderne WordPress-Websites bestehen längst nicht mehr nur aus Überschrift, Text und ein paar Bildern.

Bevor der eigentliche Artikel im HTML-Quelltext auftaucht, kann schon jede Menge anderes stehen:

  • Code für das Layout und die Navigation
  • Formatierungen und Designanweisungen
  • Elemente von WordPress-Plugins
  • Umfangreiche Strukturen, die Page-Builder wie Elementor erzeugen
  • Zusätzlicher Code für interaktive Funktionen

Der HTML-Quelltext ist gewissermaßen das Baumaterial einer Webseite. Dein Browser setzt daraus das zusammen, was du auf dem Bildschirm siehst.

Und dieses Baumaterial kann ziemlich umfangreich werden.

Bei growUrBlog war es sogar so umfangreich, dass die Links zu anderen Blogs erst weit hinter der Grenze auftauchten, die WordPress für seine Pingback-Prüfung verwendet.

Also versuchte ich etwas Naheliegendes.

Ich verschob die Links im Layout ganz nach oben.

Und weißt du, wo sie anschließend im HTML-Quelltext standen? Bei ungefähr 180 kB!

Immer noch deutlich hinter der Grenze.

Das Verrückte daran: Für einen Besucher befanden sich die Links ganz oben auf der Seite. Für WordPress standen sie so weit hinten im Quelltext, dass die Pingback-Prüfung sie niemals erreichen konnte.

Kleine Veranschaulichung

Stell dir vor, du bekommst ein Buch in die Hand. Jemand versichert dir, dass auf Seite 180 ein bestimmter Satz steht.

Du möchtest das überprüfen, hast aber die Anweisung, grundsätzlich nur die ersten 150 Seiten zu lesen.

Nach Seite 150 hörst du auf und erklärst:

„Diesen Satz gibt es in dem Buch nicht.“

Natürlich ist diese Aussage falsch. Der Satz steht auf Seite 180.

Du hast nur nicht weit genug gelesen.

Genau das passiert bei manchen WordPress-Pingbacks.

Der Link existiert. Er funktioniert. Er steht im veröffentlichten Artikel.

Aber die empfangende Website hört einfach zu früh mit dem Lesen auf.

Wobei die Begrenzung durchaus ihren Sinn hat: WordPress möchte verhindern, dass für die Überprüfung eines Pingbacks riesige Datenmengen heruntergeladen werden müssen.

Nur kann diese Schutzmaßnahme eben auch dazu führen, dass völlig legitime Pingbacks abgelehnt werden.

Wie ich das Problem schließlich gelöst habe

Nachdem ich die Ursache gefunden hatte, war die eigentliche Lösung überraschend unkompliziert.

Ich habe ein kleines WordPress-Plugin erstellen lassen, das die betreffenden Links zusätzlich sehr früh im HTML-Quelltext platziert – genauer gesagt im sogenannten head-Bereich der Seite.

Diesen Bereich lädt der Browser am Anfang des Dokuments. Normalerweise stehen dort technische Informationen über die Webseite.

Durch die zusätzliche Ausgabe tauchten meine Links nun bereits innerhalb der ersten 150 KiB auf.

Und siehe da:

Die Pingbacks funktionierten endlich!

Nach all der Sucherei war das ein ziemlich befriedigender Moment.

Allerdings möchte ich eines ausdrücklich dazusagen: Mein Plugin verwendet einen technischen Workaround, der nicht der üblichen HTML-Struktur entspricht. Ein normaler anklickbarer Link gehört eigentlich in den Seiteninhalt und nicht in den head-Bereich.

Aber ich stehe halt auf pragmatische Lösungen.

Und was bedeutet das für deinen Blog?

Zunächst einmal: Nicht jeder fehlgeschlagene Pingback hat mit dieser Zahl zu tun.

Pingbacks können auch aus ganz anderen Gründen scheitern. Manche Blogs haben sie deaktiviert, andere blockieren sie aufgrund von Spam-Schutzmaßnahmen. Manchmal liegt es auch schlicht an einer falschen URL.

Wenn deine Pingbacks allerdings immer wieder abgelehnt werden, obwohl die Links nachweislich vorhanden sind, solltest du diese Möglichkeit im Hinterkopf behalten.

Drei Dinge, die du ausprobieren kannst

1. Überprüfe, ob dein Link wirklich vorhanden ist.

Klingt banal, ist aber der wichtigste erste Schritt. Öffne deinen veröffentlichten Artikel und klicke auf den Link. Führt er tatsächlich zur richtigen Seite?

2. Sieh dir den HTML-Quelltext an.

Das geht in den meisten Browsern über das Kontextmenü mit „Seitenquelltext anzeigen“.

Dort kannst du nach der Adresse des verlinkten Blogs suchen.

Findest du sie erst nach sehr viel HTML-Code, könnte das bereits ein Hinweis sein. Die genaue Byte-Position lässt sich mit einem geeigneten technischen Werkzeug bestimmen.

3. Verlasse dich bei Blogparaden nicht ausschließlich auf Pingbacks.

Wenn du an einer Blogparade teilnimmst, solltest du deinen Beitrag zusätzlich direkt beim Veranstalter melden. Beispielsweise über einen Kommentar unter dem Aufrufartikel, sofern diese Möglichkeit angeboten wird.

Denn nur weil dein Pingback nicht ankommt, heißt das noch lange nicht, dass du etwas falsch gemacht hast.

Warum mich das gerade bei Blogparaden beschäftigt

Auf growUrBlog stelle ich regelmäßig aktuelle und zeitlose Blogparaden vor.

Dabei ist mir wichtig, dass Blogger neue Themen entdecken, miteinander ins Gespräch kommen und ihre Beiträge gegenseitig wahrnehmen.

Pingbacks können dabei helfen.

Sie stellen eine automatische Verbindung zwischen zwei Blogs her. Ohne zusätzlichen Kommentar, ohne E-Mail und ohne dass jemand den Beitrag erst manuell eintragen muss.

Zumindest dann, wenn alles funktioniert.

Aber genau deshalb finde ich es problematisch, wenn man sich vollständig darauf verlässt.

Stell dir vor, du investierst mehrere Stunden in einen Beitrag zu einer Blogparade. Du machst dir Gedanken, schreibst, überarbeitest und veröffentlichst ihn.

Anschließend verlinkst du den Veranstalter und gehst davon aus, dass dieser automatisch davon erfährt.

Doch dein Pingback wird abgelehnt.

Der Veranstalter bekommt nichts mit. Vielleicht entdeckt er deinen Beitrag zufällig. Vielleicht aber auch nicht.

Das wäre schade. Denn gerade von den unterschiedlichen Perspektiven und den Verbindungen zwischen Bloggern leben Blogparaden.

Deshalb mein Tipp an alle Veranstalter: Bietet euren Teilnehmern immer auch eine unkomplizierte Möglichkeit, ihre Beiträge direkt zu melden.

Ein Kommentar unter dem Aufrufartikel reicht dafür oft schon aus.

Was ich aus dieser Odyssee gelernt habe

Manchmal sind es wirklich die unscheinbarsten Dinge, die einem das Leben schwer machen.

Keine komplizierte Serverkonfiguration. Kein schwerwiegender Programmierfehler. Kein kaputtes Plugin.

Sondern eine einzige Zahl im WordPress-Quellcode: 153600

Die Zahl werde ich wahrscheinlich so schnell nicht wieder vergessen.

Und die mir wieder einmal gezeigt hat, dass etwas technisch durchaus korrekt funktionieren kann und trotzdem nicht das gewünschte Ergebnis liefert.

Hast du schon einmal Ärger mit Pingbacks gehabt?

Mich würde interessieren, ob du Pingbacks überhaupt noch nutzt.

Vielleicht hast du ja auch schon einmal erlebt, dass ein Beitrag trotz korrekter Verlinkung nicht beim Empfänger angekommen ist.

Erzähl gerne in den Kommentaren davon!

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René
https://rene-poepperl.de
René ist seit über 16 Jahren Softwareentwickler. Auf seinen Websites verbindet er seine Leidenschaften Schreiben, Bloggen und Softwareentwicklung und schreibt über Software-Bugs, gibt Tipps zum Bloggen und pflegt ein Verzeichnis von Blogparaden.

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